Food Hygiene

Neufassung der Richtlinie 98/83/EG über die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch

Am 23.10.2018 hat das EU-Parlament für die Änderung bzw. Neufassung der „Richtlinie des Europäischen Parlaments und des Rates über die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch“ gestimmt. Der nächste Verfahrensschritt ist die Abstimmung des Rates der Europäischen Union über den Vorschlag.

Der Hintergrund der Neufassung ist die indirekte Reaktion auf die erste Europäische Bürgerinitiative (EBI) „Right2Water“, deren direkte Folgemaßnahme die REFIT-Bewertung der Richtlinie 98/83/EG war.  Der ursprüngliche Zweck der Richtlinie, die menschliche Gesundheit vor Schäden durch verunreinigtes Leitungswasser zu schützen, wurde dabei stets als erfüllt angesehen. Aufgrund der Bewertung werden jedoch umfangreiche Änderungen der Richtlinie angestrebt, welche auch neue Herausforderungen im Bereich der Trinkwasserversorgung, wie z.B. den Umweltschutz (Vermeidung von Plastikmüll) und die Ressourcenschonung berücksichtigen sollen.

Das erste der fünf Hauptanliegen ist, den Zugang zu sauberem Trinkwasser für alle Menschen als Grundrecht umzusetzen und diesen verpflichtend zu ermöglichen, dabei liegt der Fokus auf schutzbedürftigen und ausgegrenzten Bevölkerungsgruppen. Der zweite Punkt, der einer umfassenden Überarbeitung unterzogen wurde, ist die deutliche Erweiterung der Untersuchungsparameter und die aktualisierte Grenzwertgestaltung für Wasser für den menschlichen Gebrauch. Damit möchte man den neusten Erkenntnissen aus der Wissenschaft Folge leisten, beispielsweise könnte der Grenzwert für Blei um die Hälfte gesenkt werden. Weitere Schwerpunkte liegen auf der besseren Überwachung hormonwirksamer Stoffe (endokrine Disruptoren) und der Einführung der Überwachung von Mikroplastik und der somatischen Coliphagen. Außerdem soll ab Inkrafttreten ein risikobasierter Untersuchungsansatz mit routinemäßigen Gefährdungsbeurteilungen der Versorgungsanlagen gewählt werden. Im Bereich der Trinkwasser-Installationen sollen für „Hausinstallationen in prioritären Räumlichkeiten“ (Krankenhäuser, Altenheime, Schulen, Kindergärten, Sportanlagen…) Risikobewertungen mit dreijährlicher Überprüfung erstellt werden. Dies begünstigt, dass Risiken für Verunreinigungen früher erkannt werden können und trägt somit zu einem höheren Verbraucherschutz bei.

Als weitere Maßnahme sollen die Länder verpflichtet werden genauere Informationen zu Trinkwasser für alle Bürger einfach und verständlich zugänglich zu machen und die Aufmerksamkeit auf Probleme wie Wasserknappheit, Eintragswege von Verunreinigungen und Herausforderung bei der Reinigung zu lenken. Die letzte Aktualisierung beinhaltet die Förderung von konkreten, europaweiten Richtlinien in Bezug auf Materialien, die mit Trinkwasser in Berührung kommen, in Erwartung von geringeren Hindernissen beim In- und Export und damit der Verbesserung des innereuropäischen Marktes. Langfristig werde durch die Änderungen eine Steigerung der Wasserqualität, des Zugangs zu sauberem unbedenklichem Trinkwasser für alle Menschen und ein Beitrag zum Umweltschutz durch Vermeidung des Verzehrs von abgefülltem Wasser zu Gunsten des Leitungswassers erwartet. Darüber hinaus soll der Binnenmarkt gestärkt werden.

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